Mit dem Indian Pacific in 3 Tagen quer durch den Roten Kontinent......und dann den selben Weg zurück

Reisezeit: 14.11. - 22.11.2012

1. Tag. Lasset den Wahnsinn beginnen

 

Mittwoch, 11 Uhr- 4 Stunden vor Abfahrt:

Ein unbekannter Backpacker steht am Bahngleis, weil er die Einfahrt des Indian Pacific, der Zug, der für die nächsten 3 Tage sein "zuhause" sein wird, miterleben will.

Kurz vor dem Bahnhof wird der Riese getrennt -da er für die Bahngleise mit seinen über 600 Metern Länge zu lang ist-

und fährt nun auf 2 Gleisen gleichzeitig ein.

Die Angestellten und die Gäste verlassen besagten Zug und schauen verwundert:

 

Was macht dieser arme Irre da, der scheinbar 4 Stunden vor Abfahrt schon auf den Zug wartet?

 

Naja, die Einfahrt wollte ich nicht verpassen, da ich die nächsten Male wo der Zug in einen Bahnhof einfährt selbst an Bord sein werde.

Erst mal was essen gehen und dann ab zum Check-in.

Einen Tag vor der Fahrt habe ich in einem neuen Bericht gelesen, dass die Gewichtsordnungen für das Gepäck praktisch keinen Mitarbeiter interessieren, wodurch ich neben dem erlaubten kleinen Rucksack noch eine randvolle Kühltasche und einen doch etwas ausladenden Backpack mit ins "Handgepäck" nehme.

Vom Pazifischen bis an den Indischen Ozean in diesem metallenen Riesen
Vom Pazifischen bis an den Indischen Ozean in diesem metallenen Riesen

  

Da die Fahrt mit 3 Tagen doch etwas den Kopf blockieren könnte, springe ich kurz vor der Abfahrt nochmal in den Bahnhofsbuchladen um mir einen Wälzer zu kaufen (Game of Thrones) damit ich während der abendlichen Fahrt (ab 19 Uhr wirds hier dunkel) eine Beschäftigung habe.

 

 

Zwischen vielen, die sich auf die Fahrt freuen, gibt es auch die Sorte von ätzenden Zeitgenossen,

deren Auftreten eher an einen Wettbewerb im schlechte Laune verbreiten erinnert und das, obwohl sie in der schweineteuren Gold Class die Fahrt bei Edelmenüs und gutem Wein genießen dürfen.

Glücklicherweise gibt es auch in der Edelklasse die Fahrgäste, für die ein Lebenstraum in Erfüllung geht und das merkt man ihnen auch an!

 


Mein "Wohnraum" und v.a. (kippbares) Bett für die nächsten 3 Tage
Mein "Wohnraum" und v.a. (kippbares) Bett für die nächsten 3 Tage

 

Die Fahrt geht los und unsere „Wagenmanagerin“ im Wagen R (Fensterplatz, wuhuu!) erzählt erst mal in fröhlich unstrukturierter Fassung worauf wir achten sollen und endet mit den glorreichen Worten:

 

 

Ich würde mal sagen das war’s, oder fällt euch noch was ein was für euch im Notfall wichtig sein könnte?

Gerade diese laid back Lebens- und Denkweise macht die Australier so sympathisch,

mein malaysischer Nachbar fällt auch unter diese Art und nimmt alles locker und mit Humor.

Aber wie Überall gibt es sie auch hier :

die deutschen Deutschen.

Hier eine wirklich so gehörte Aussage aus einer der Nachbarreihen:

- Der Zug kann laut Prospekt 120 fahren. Schau mal raus, wir fahren doch viel weniger, Schatz...

 

- Stimmt, Schatz. Wie kann man nur so faul sein...

Sonnenuntergang durchs Panorama-Zugfenster
Sonnenuntergang durchs Panorama-Zugfenster

 

 

Mittlerweile habe ich meinen ersten Sonnenuntergang an Bord hinter mir und sitze seit 6 Stunden im Zug, bis zum ersten Stopp in Broken Hill mit geplanten 2 Stunden Aufenthalt sind es "nur" noch 9 Stunden, aber erst einmal genieße ich den Abend im „Matilda Café“, dem Bordrestaurant für die Red Class.

 

Mein Abendessen aus der Kühltasche ist schon weggefuttert, aber ein gemütliches Getränk am Zugfenster mit Ausblick auf das immer dunkler werdende Outback, in das wir so langsam hineinfahren, gönne ich mir trotz der Preise gerne.


2. Tag. Broken Hill, Adelaide und das erste Opfer des Wahnsinns

 

 

Nach einer überraschend angenehmen Nacht (dass ich 7 Stunden in einem doch sehr oft schlagenden und wackelnden Zug schlafen kann, hätte ich nicht erwartet) kamen wir morgens gegen halb 7 CST in Broken Hill an.

 

 

Zur Zeitzone: CST ist die "sinnvolle" Idee einer Halb-Zeitzone- also eine Zeitumstellung von 30 Minuten,

was das bringt weiß keiner.

Da Zeit im Outback aber nun auch eine eher geringe Rolle spielt, stört sich keiner dran...

 

Broken Hill ist eine Minenstadt, in der hauptsächlich Silber gefördert wird, mit der Bus-Rundfahrtstour (für 25$) hätte man sich die Hauptgebäude der Stadt, einen alten Förderturm und ein Denkmal mit Ausblick auf den Tagebau angucken können.

 

 

Zu Fuß konnte ich diese Tour -bis auf das Denkmal- problemlos in den eineinhalb Stunden Aufenthaltszeit selber machen.

Durch die frühe Ankunft war der Ort recht ausgestorben-

 

2 Rentnerinnen, die ihren Kramsladen auf dem Bahngleis aufbauten um die Gäste des Indian Pacifics mit Nahrung und dem nötigen Kitsch, wie gehäkelten Puppen und Plastikfigürchen, zu versorgen, waren scheibar die einzigen Einwohner, die zur frühen Uhrzeit schon auf den Beinen waren.

Im Anschluss fuhren wir weitere 2 Stunden durchs Outback, bevor es nochmal einige Stunden entlang kleiner Orte und Felder ziemlich gerade nach Süden weiterging, um gegen halb 4 in Adelaide einzufahren.

Die vom Bahnunternehmen angebotenen Touren sind leider teilweise nur auf dem Papier zu haben, weshalb ich den Zoo mit seinen 2 Pandas nicht abklappern konnte.

Nichtsdestotrotz hat sich Adelaide gelohnt, denn als Alternative habe ich mich (wieder zu Fuß, bei der langen Zugfahrt wohl verständlich) ins Stadtzentrum aufgemacht um den Markt zu besuchen und auf die schnelle einen kurzen Eindruck von Australia's Festival City zu bekommen.

 

 

Der Markt ist laut Werbung der größte (Frisch-)Markt auf der Südhalbkugel, wo ich mich neben Obst auch mit Kangaroo-Salami und europäischem Lakritz (den gibts hier unten sonst nirgends) eingedeckt habe.

 

Die Innenstadt hat einen modern-europäischen Charakter, zwischen allen Neubauten finden sich aber auch große "historische" Gebäude, wie man sie eher in London und dergleichen erwarten würde.

Fazit nach 2 Stunden Blitztour: Adelaide hat was, wenn ich mal „richtig“ Urlaub in Australien mache, weiß ich wo ich auch ne Weile verbringen werde!

Um 6 p.m. steige ich wieder in den Zug ein, wo es mit neuer Crew (leider nicht so locker wie die alte) und vielen zugestiegenen Gästen weitergeht.

Unter den neuen Gästen ist auch ein Asiate, der unterwegs wohl etwas stärkeres zu rauchen bekommen hat,

aber somit für das Entertainment unseres Wagens sorgt:

Er steht spontan auf und tanzt auf der Stelle, lacht über alltägliche Dinge (Türen, Bäume, Hefte usw.) hört Musik so laut, dass Leute die 6 Reihen hinter ihm sitzen mithören können und diskutiert in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, mit sich selbst darüber wo die ganzen Häuser hin sind (Man sollte erwähnen, dass wir bereits seit Stunden durch Felder fahren und der Ausblick um 10 Uhr Abends etwa als Nacht zu bezeichnen ist, das hat den Armen wohl sehr verstört).

Meine neuen Mitreisenden und ich haben viel Spaß unserem "Drogen-Asiaten"  (zumindest haben wir ihn so getauft) zuzugucken und zu hören.

Ansonsten rollt der Indian Pacific unkaputtbar weiter durch Australien und wird uns heute Nacht bis in die Ausläufer der Nullarbor Plains fahren, wo wir morgen früh in Cook (4 Einwohner mitten im Nirgendwo) und spät abends in der Stadt Kalgoorlie einen Halt machen werden. 


3. Tag. Von einer Stadt mit 4 Einwohnern, 30 Dingos und 10 Millionen Fliegen

und einer weiteren Stadt, in der Hotels Anzünden zum Volkssport geworden ist

 

Weiter geht’s also:
Die Zugfahrt fordert immer mehr Opfer, einzelne Leute scheinen mit dem im Zug-gefangen-Sein nicht klar zu kommen und die Stimmung anderer baut deutlich ab.

 

Leider hat uns heute Nacht unser neuer Lieblingsasiate verlassen,

daher hat unsere Gruppe viel weniger zu lachen als gestern Abend noch, netterweise hat er dem Zug

(mit dem er sich wohl sehr gut unterhalten konnte) vom Gleis aus zugewunken bis er in der Dunkelheit verschwand.

Ob er wirklich in Port Augusta aussteigen wollte, oder ob das eher durch einen Zufall passierte wird man wohl nie erfahren...

 

Mit den ersten Sonnenstrahlen kann man bereits sehen, dass das Land um uns rum immer karger wird,

bis wir letztendlich den Anfang der Nullarbor Plains und somit auch die längste Gerade der Welt erreichen,

für die nächsten 470km wird es also schnurgerade geradeaus gehen, am Streckenrand sieht man seitdem öfter (bisher 5 Mal) einzelne oder mehrere Kängurus.

Nach 1 Stunde kamen wir dann „in“ Cook an, das heißt der Zug hielt irgendwo im Nirgendwo, Treppen wurden wegen Mangel an Bahngleis hingestellt und so konnte man direkt auf den roten Boden aussteigen.

862 km bis zum nächsten Ort
862 km bis zum nächsten Ort
Durch Mangel an Patienten geschlossen: Das Krankenhaus
Durch Mangel an Patienten geschlossen: Das Krankenhaus

Cook hat sich in den 30 Minuten Aufenthaltszeit zu einem meiner Lieblingsorte überhaupt gemausert.

Der Ausblick in diese unendliche Leere (sieht man von Sand und dem immer präsenten Wüstengras ab) und der Humor, den die Einwohner nicht verloren haben, macht den Ort mit ganzen 4 Einwohnern absolut lebenswert.

Auf den Postkarten, die hier verkauft werden, steht:

Visit Cook. Queen of the Nullarbor. 4 inhabitants, 3 dogs, 30 dingos and 10 million flies.

 

Obwohl wir früh morgens ankommen, ist es schon Mitte 30 Grad warm und so ist man doch auch froh, nach dem kurzen Aufenthalt wieder im temperierten Zug zu sitzen.

Als der Zug mit Wasser versorgt ist, setzt sich der Indian Pacific in Bewegung, während wir Fahrt aufnehmen, 

sagt uns einer der Dingos „goodbye“ bevor er wieder in die Weite der Plains verschwand...

Und nun, um mal einen kurzen Einblick zu geben in die Monotonie der Nullarbor Plains (Kein-Baum-Ebene) hier ein Video, aufgenomen aus dem Bordcafé, keine Dauerschleife, nichts bearbeitet, sondern genau der Grund, weshalb ich mir diese Reise gönne.

Sicherlich erscheint dieser Anblick erstmal langweilig, aber genau das fasziniert an der Landschaft,

fast einen ganzen Tag lang sehen wir nichts außer dem Rot des Bodens und dem Grün des Wüstengrases ...

Abends,

nach weiteren (unverständlichen) Zeitumstellungen von CST auf „train time“ (eine fiktive Zeitzone, damit wir keinen großen Sprung machen müssen) und weiter auf Western Time, kamen wir im bereits dunklen Kalgoorlie an.

 

Dort hatte ich mich für eine Whistle-Tour (bezahlte Bustour) eingetragen, hauptsächlich um die Super Pit zu sehen, einen der größten Gold-Tagebauten der Welt,

wusste aber vorher nicht was es sonst noch so in Kalgoorlie zu sehen gab:

Die Stadt hat weniger Interessantes zu bieten als der Nordpol Bäume hat,

sodass unser Tourguide (der wohl eine bestimmte Tourzeit nicht unterschreiten sollte) uns von der Entstehung des neuen McDonalds erzählt, uns zeigt welches Haus sein Neffe (ein seeehr netter Kerl, wie er findet) für 950.000$ verkauft hat und warum die neuen Vororte viel schöner sind als die alten:

 

Sie haben Sprenkleranlagen für ihren Garten,

was er mit einem wohl ernstgemeinten that’s really interesting, innnit? nochmal hervorhebt.

 

Die Super Pit selbst ist dafür schon eindrucksvoll.

Die kleinen roten Punkte auf dem Bild sind LKWs, die das Gesteinsmaterial herausfahren.

Der gesamte Tagebau ist 4 km lang, aber nach einer Viertel-Stunde "Besichtigungszeit" (wir gucken von einem Berg auf das Loch in dem kleine LKWs hin und herfahren) fahren wir nicht zurück, sondern weiter- Hilfe!


Wir betrachten also nun (nur eines der vielen Highlights dieses unendlich spannenden Ortes) das 20. Hotel,

welches lustigerweise (wie alle anderen Hotels im Ort auch)

in den letzten 100 Jahren mindestens einmal angezündet wurde.  

Scheinbar ist das Anzünden von Hotels eine Beschäftigungstherapie, die in diesem todlangweiligen Ort nötig ist, damit die Bevölkerung neben dem Goldabbau etwas Abwechslung in ihrem Alltag erfährt.


Nach fast 2 qualvollen Stunden werden wir am Bahnhof abgesetzt, um auf den letzten Streckenabschnitt in Richtung Perth zu gehen.


Not really my cup of tea- Perth Innenstadt...
Not really my cup of tea- Perth Innenstadt...

 

(Fast) ohne Verspätung morgens in Perth angekommen und sofort ab ins Hostel,

denn wenn man nur einen Tag hat um alles „Interessante“ zu sehen hat man’s bekanntlich eilig.

Nachdem ich erstmal mit vollem Elan in die falsche Richtung gestartet bin, habe ich die Kurve doch noch gekriegt um dann gen Innenstadt (Der Bahnhof für den Indian Pacific liegt gut 2,5 km außerhalb des Zentrums) statt in irgendeinen unbekannten Vorort loszuziehen.

Also alles unnütze Gepäck im Hostel gelassen, schnell unter eine richtige Dusche gesprungen (Auch wenn die im Zug in Ordnung sind, während dem Duschen sich NICHT festhalten zu müssen hat auch mal was!) und im Anschluss hieß es: Auf durch Perth…

 

….oder so ähnlich, denn das Zentrum von Perth sieht doch fast durchgehend gleichaus: Einkaufscenter, Fressbuden - Einkaufscenter, Restaurants- Einkaufscenter…..

In Kurzform: Man braucht nicht viel Zeit im Zentrum zu verbringen, außer man will Shoppen gehen,

daher schnell ab nach Fremantle, einem Nachbarort, den man mit der städt. Bahnlinie in gut 30 mins erreichen kann.

Gleich um die Ecke und doch so viel schöner- Fremantle
Gleich um die Ecke und doch so viel schöner- Fremantle

 

Im Vergleich zu Perth ist Fremantle ein richtig schönes und gemütliches Örtchen, nicht zuletzt durch eine nette Kneipen/Bar/Pubszene und eben den Hafen, der Perth als „Inlandsstadt“ (mit 2-3 km Abstand zum Meer) fehlt.


Neben alten Häuserfassaden verbirgt sich so manche Perle und sei es nur eine alte Schiffswerft, die heute eher an eine kleine Familienwerkstatt erinnert...

 

 

Ich verbringe eine Stunden in diesem Örtchen und nach einem kurzen Stopp am Cottesloe Beach (angeblich der tollste Strand am Indischen Ozean, wären da nicht gefühlte 5000 Strandgäste die einen eher in eine Mallorca-Atmosphäre wollen) fahre ich zurück in die Innenstadt.

Also am nächsten Morgen zurück zum Bahnhof, wo meine neue Lieblingsunterkunft schon auf mich wartete.

Der Koch begrüßte mich lachend mit


Du hast doch nen Schaden so schnell wieder zurückzufahren...


und genau wie am Hinweg hatte ich recht schnell wieder nette Leute um mich rum.

Für den ersten Teilabschnitt saß eine französische Seniorengruppe (die mit Abstand Jüngste war 60) um mich rum,

was zu einigen lustigen Stunden führte:

 

Sag mal Patrick, Alkoholverbot gilt doch nicht für den Aperitif, oder?

 

Diese Gruppe gab mir doch mal wieder Mut für die Zukunft, wer im hohen Alter (Marie, meine Sitznachbarin ist zarte 75) noch gerne was von der Welt sehen will und parallel zur Reise durch Australien schon die nächste Reise nach Südamerika plant, der zeigt, dass es auch im hohen Alter genug Möglichkeiten gibt seine Träume zu verwirklichen, wenn man denn will.

Zählspiel- was läuft/fliegt alles am Zug vorbei, das Wappentier des Indian Pacific führt deutlich...
Zählspiel- was läuft/fliegt alles am Zug vorbei, das Wappentier des Indian Pacific führt deutlich...

 

 

Nachdem die Franzosen den Zug in Adelaide verlassen, unterhalte ich mich auf dem letzten Abschnitt hauptsächlich mit einer Deutschen Mitreisenden beim einen oder anderen "Tee" im Matilda Café.

Dass Nachts die Lokomotive den Geist aufgab und wir mit knapp 3 Std Verspätung in Sydney ankamen hat nach über 4000 km Rückfahrt nicht mehr zu sehr schockiert, quasi 3 Gratis-Bonus-Stunden im Zug!

 

Zurück in Sydney verbringe ich den letzten Abend mit einem Essen im chinesischen Foodcourt und einem ausgedehnten Spaziergang durch die erleuchtete Stadt, 2 wahnsinnig tolle und ereignisreiche Wochen gehen zuende.

 

 

Australien- wir werden uns sicher noch mal wiedersehen in den nächsten Jahren- Versprochen!

 

 

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