Die Odyssee - Bis an den Rand der Sahara und noch einen Kamelritt weiter

Reisezeit: 20.10. - 21.10.2014

Der zweite Tag in Marokko bricht an und schon wieder stehen wir früh auf, denn heute steht eine weite Reise vor uns.

Wir frühstücken um halb sieben und werden eine knappe halbe Stunde später abgeholt -

und das um in die Wüste geschickt zu werden ... aber ganz freiwillig!

 

In einem Minibus mit insgesamt 9 Reisenden schieben wir uns durch das morgendliche Verkehrschaos von Marrakesch,

bis das Zentrum verlassen ist und wir eine Stunde lang gen Osten durch die Ausläufer der Stadt fahren.

Unser erstes Ziel ist schnell ausgemacht, denn ein großes Gebirge kommt immer näher auf uns zu- der Hohe Atlas.


Nachdem wir das lehmige Gebirgsvorland durchquert haben, beginnt der langsame Aufstieg mit einigen Zwischenstopps unterwegs.

 

So kann man zurück ins Vorland blicken,

aber ebenso die Ausmaße des Gebirges, das vor einem liegt, ausmachen.

 

Die Straße windet sich schlangenförmig von Berg zu Berg, nicht umsonst sagt man von ihr,

dass die Strecke bergauf ganz ohne Geraden auskommen würde.

Blick zurück: An einem windigen Tag sieht man durch den aufgewirbelten Sand nicht besonders weit...
Blick zurück: An einem windigen Tag sieht man durch den aufgewirbelten Sand nicht besonders weit...


Vorbei geht unsere Fahrt an einer Vielzahl von kleinen Ständen der Straßenhändler, die in der scheinbaren Einsamkeit, in der kein Haus weit und breit zu sehen ist,

auf Touristen warten, denen sie Fossilien und farbenfrohe Minerale der Gegend verkaufen wollen.

Ein Händler preist uns seine Waren an, von Tellern über Ammoniten ist alles dabei...
Ein Händler preist uns seine Waren an, von Tellern über Ammoniten ist alles dabei...

Nach zwei Stunden, in denen die Straße pausenlos ansteigt, haben wir den niedigrsten Pass erreicht,

über den Marrakesch mit dem Osten des Landes verbunden ist,

etwa 2500 Meter hoch und umringt von unzähligen kleinen und großen Bergen.

 

Der Ausblick von hier oben ist beeindruckend, doch nach einer kurzen Pause müssen wir weiter, denn unser Reiseziel ist immernoch fünf Stunden Fahrtzeit von uns entfernt.

2500m über Null, die Passstraße über den Hohen Atlas
2500m über Null, die Passstraße über den Hohen Atlas
Eine Slalomfahrt liegt hinter uns, die Straße schlängelt sich von Berg zu Berg
Eine Slalomfahrt liegt hinter uns, die Straße schlängelt sich von Berg zu Berg


Wir fahren nun langsam, aber stetig ins Tal hinab, bis wir, nach einer weiteren Stunde, die Hauptstraße verlassen und in einem weitläufigen Nebental auf die Kasbah Ait Ben Haddou zufahren.


Auf den Besuch dieser Lehmfestung freue ich mich schon, seitdem wir die Fahrt gebucht haben und meine Augen werden nicht enttäuscht- die ganze Festung wirkt etwas surreal, bedenkt man, dass sie fast ausschließlich aus Lehm besteht und nach mehreren Regentagen ausgebessert werden muss, da der Lehm, bei zu viel Wasser von oben, zu bröseln beginnt.

Aus diesem Grund (und, da es weder Strom, noch fließend Wasser gibt) sind -bis auf ein paar Familien- alle Einwohner in den neuen, modernen Ort, auf der anderen Seite des Flusses umgezogen. 

Da bekommt das Wort Fensterplatz gleich eine ganz neue Bedeutung...
Da bekommt das Wort Fensterplatz gleich eine ganz neue Bedeutung...

Einziger Wehrmutstropfen:

Unser marrokanischer Fahrer hält den Bus vor einer Gruppe von Einheimischen und stellt uns einen von ihnen als unseren "Stadtführer" vor.

Mich stört dabei nicht, dass wir 2€ "Pseudo"Eintrittsgeld zahlen sollen (Der Eintritt in die Stadt ist kostenfrei, aber unser "Führer" muss ja auch von etwas leben und "Eintrittsgeld" erschien ihm besser als Führerkosten...), vielmehr jagt er uns durch die Stadt, regelmäßige "Yalla, Yalla" (Los, los..) Rufe von ihm geben einem das Gefühl zu einer der örtlichen Ziegenherden zu gehören, denn führen -im Sinne von Dinge zeigen und erklären-  will er uns leider nicht, sein Plan ist ein ganz anderer:

Geht schneller, rennt durch die Stadt in einer knappen 3/4 Stunde und dann "führe" ich euch noch eine Stunde lang in ein Restaurant eines Freundes...

In den schattigen Straßen der Kasbah bauen Händler ihre Stände auf
In den schattigen Straßen der Kasbah bauen Händler ihre Stände auf

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Veranstalter davon nichts wusste und unser Fahrer auch die Hand dafür aufgehalten hat, dass er dem Guide eine Arbeit und dem Restaurant Oasis Kundschaft verschafft, denn dort gibt es das mieseste Essen in ganz Marokko, überteuert, unglaublich fad und es existiert wohl nur, weil sämtliche "Führer" ihre Kunden in dieses Loch ziehen.

Ärgere ich mich zu Beginn über diese Sichtweise, wird einem mit der Zeit auch klar, dass selbst der Fahrer, der täglich 8-10 Stunden quer durchs Land fährt auf weitere Einnahmequellen angewiesen ist um über die Runden zu kommen, die nachgemachte Markensonnenbrille, die er trägt, unterstreicht dabei  den Unterschied zwischen Schein und Sein...


 Doch all das kann mir den Spaß an der Kasbah nicht vermiesen, die mit zu den schönsten Orten gehört, die ich bisher entdecken durfte.

Die über 400 Jahre alten Mauern und Gänge strahlen eine wahnsinnig tolle Atmosphäre aus,

die für ihr einzigartiges Aussehen in Filmen, wie Lawrence von Arabien bis hin zu Game of Thrones als Kulisse diente.

 

 

Sonnenuntergang hinter Palmen und dann ab in die Wüste
Sonnenuntergang hinter Palmen und dann ab in die Wüste

Von Ait Ben Haddou aus fahren wir nun geradeaus, durch das immer karger werdende Land nach Zagora.

Zagora gilt als Ausgangspunkt für die Sahara- Durchquerungen nach Timbuktu.

Einige Kilometer vom Zentrum entfernt, erwarten uns zwei Berber mit einer kleinen Gruppe von Kamelen.

 

Auch wenn der Aufstieg und die Gangart der Tiere zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig ist, macht das Reiten auf ihnen doch recht schnell Spaß.

Wir sehen den Sonnenuntergang hinter den letzten Palmen und nun geht es eine knappe Stunde lang über Sand...Sand... und .... Sand.... bis wir das Zeltlager des Berberstammes erreichen, wo wir die Nacht verbringen werden.


Mit Berber-Whisky (Der running-gag unter den Berbern: Da Alkohol aus religiösen Gründen tabu ist, tauften sie ihren Minztee in Berber-Whisky um) werden wir begrüßt und gegen 9 Uhr abends dürfen wir das unerwartet luxuriöse Hauptzelt betreten, in dem wir Eintopf mit Fladenbrot, Tagine mit Huhn und Gemüse und frischgepflückte Mandarinen serviert bekommen.

Obwohl ich mir beste Mühe gebe, fällt es einem Linkshänder doch schwer ausschließlich mit der "reinen" rechten Hand zu essen und so muss ich ab und an pfuschen, die Gastgeber verzeihen dies mit einem Grinsen.


Im Anschluss ans Abendessen sitzen wir draußen unter dem Sternenhimmel und, nur von ihren Trommeln begleitet, unterhalten uns die Berber mit traditioneller Musik, aber auch mit Popsong-Covers im Berberstil-


Wer hätte gedacht, dass Shakira's Waka Waka auch in der Wüste gespielt wird?

Obwohl wir einen Großteil des Tages im Auto verbracht haben sind wir alle müde und so endet der Abend schon gegen 11, denn am nächsten morgen müssen wir (was eine Überraschung) früh raus, damit wir den Kamelritt zurück zum Wagen machen, bevor die Sonne so richtig zu brennen beginnt...



The next morning...
The next morning...


Nach einer überraschend gemütlichen Nacht in den Zelten, die aus 2 Lagen bestehen und so von Sandbergen gehalten werden können, selbst wenn es mal einen Sandsturm gäbe, wäre die Konstruktion massiv genug um zu halten, werden wir zum Frühstück geweckt.


Kurz darauf geht es wieder auf die Kamele und ich merke, wie sehr mir mein Hintern vom Vortag noch weh tut-

Gut, dass ich keine 2-wöchige Kamelreise gewählt habe, sondern nur hin-und-zurück etwa 2 1/2 Stunden!




Die Karawane kehrt aus der Wüste zurück
Die Karawane kehrt aus der Wüste zurück

Auf halbem Weg löst sich die Karawanen-Verknotung meines Kamels, es bleibt stehen... und... die anderen reiten weiter - ohne mich...


.... aber der Karawanenführer hört mein Rufen und so kann unsere Reise doch fortgesetzt werden.


Mittlerweile wird der reine Sandboden wieder von einer Mischung aus Sand, Steinen und ein paar Gräsern abgelöst und so erreichen wir den Rand der Wüste, wo unser Fahrer schon mit dem Minibus wartet- nun stehen nur noch weitere 8-9 Stunden Fahrt vor uns, wenn alles gut geht...

Nach gut 5 Stunden gibt unser Bus den Geist auf, aber wir werden von einem anderen Bus,

der auch auf dem Rückweg ist, aufgenommen.

Unterwegs gelingen mir ein paar Schnappschüsse,

die das Leben auf den Straßen Marokkos -wie ich finde-

recht gut darstellen...



Passend zum Abendessen kommen wir müde aber zufrieden am Rand des Jemaa el Fna an.

So geht eine wahnsinnig ereignisreich-spannend-schöne 2 Tagestour zuende...



Zurück zur Marokko Übersicht...

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Saz the Drurberger (Dienstag, 28 Juni 2016 20:34)

    Great article I just can't read a word of German!
    Just kidding, google translate does a good job.
    Keep up the travels